Sind wir zu blöd? Über die Unfähigkeit unserer Finanzämter mit uns zu kommunizieren

Die Zahl der Selbstständigen – Einzelunternehmer wie Freiberufler – steigt. Ebenso die Zahl der Scheinarbeitsverhältnisse – inklusive der Fälle von Selbstausbeutung. Was läuft da bei den Steuerabrechnungen? Können „Selbstständige“ wirklich ihre Steuerbescheide lesen, können sie Einfluss nehmen – auch wenn sie sich den Steuerberater für Buchführung und Jahresabschluss nicht leisten können?

 

„Jeder Zweite versteht seinen Steuerbescheid nicht“, zitiert die Welt am Sonntag eine von ihr in bei der GfK in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage. Alle Versuche des Fiskus, einen Steuerbescheid zu schreiben, den auch der Durchschnittsbürger begreift, seien kläglich gescheitert. Und wie ist das bei den Gründern oder den Freien, die ich gerne als „Fiskal-Legastheniker“ einstufe? Eher schlechter vermute ich. Oder? Ein Gründer-Beispiel: „Für den in den Einkünften aus selbstständiger Arbeit des Ehemannes nicht enthaltenen steuerfreien Anteil der Einkünfte, für die das Teileinkünfteverfahren gilt, wurde der Korrekturbetrag lt. Betrag aus der Anlage EÜR in Höhe von 0 Euro übernommen“. – Was nun? Habe ich was vergessen, was falsch verstanden und deshalb zu viele Steuern bezahlt? Oder bin ich einfach zu blöd? Dieser und ähnliche Sätze sind in jedem Fall gut geeignet, uns zu verunsichern.

„Verständlichkeit gegen Rechtssicherheit“ sei der Wettbewerb, an dessen Ende die Finanzverwaltung sich gefühlt stets dafür entscheidet, unsere Steuerbescheide gerichtsfest bis zum Bundesfinanzhof formuliert zu haben. Viel schöner wäre es jedoch, uns ihre Entscheidungen und Einordnungen verständlich mitzuteilen. Doch das scheint ein unerfüllbarer Wunsch zu bleiben.

Wo sind die großen Steuergeheimnisse? Ich finde, für Gründer und Starter in die Freiberuflichkeit gibt es wenige. Eine korrekte Anmeldung beim Finanzamt, monatlich ne runde halbe Stunde für die Buchführung und die Mehrwertsteuer-Vorauszahlungen mit wenigen Mausklicks. Wie das geht, ist auf dieser Website sowie den beiden Leitfäden zu erfahren.

Aber wir sollten gar nicht so grundsätzlich über unsere Finanzämter schimpfen. Ich finde, die sind deutlich besser als ihr Ruf. Lesen Sie doch mal diesen Satz aus unserem Steuerbescheid:

„Sollte aufgrund einer diesbezüglichen Entscheidung des Gerichtshofes der Europäischen Union, des Bundesverfassungsgerichts oder es Bundesfinanzhofs diese Steuerfestsetzung aufzugeben oder zu ändern sein, wird die Aufhebung oder Änderung von Amts wegen vorgenommen; ein Einspruch ist daher insoweit nicht erforderlich.“

Der Satz geht einem doch gerade unmittelbar ein, oder?

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