„Arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger“ – was ist das denn?

Wer als Freiberufler im Kreativbereich über zwei oder drei Auftraggeber verfügt, wiegt sich, was das Thema Scheinselbstständigkeit angeht, zumeist in Sicherheit. Manchmal zu unrecht. Denn neben der lange bekannten „Scheinselbstständigkeit“ lauert seit einigen Jahren der „arbeitnehmerähnliche Selbstständige“ in der Rentenversicherungspflicht. Und der hat seine ganz eigenen Regeln.

Vorweg: Wer über die Künstlersozialkasse sozialversichert ist und regelmäßig sein korrektes Arbeitseinkommen an die KSK meldet, ist meistens „in Sicherheit“!

Was aber ist der Unterschied zwischen einem Scheinselbstständigen und einem arbeitnehmerähnlichen Selbstständigen?

Ganz simpel:

  • Wenn der Scheinselbstständige ertappt wird, haftet sein Auftraggeber mindestens für die Rentenversicherungsbeiträge der vergangenen Jahre.
  • Wer als arbeitnehmerähnlicher Scheinselbstständiger identifiziert wird, muss selbst die Rentenversicherungsbeiträge zahlen. Und zwar 100 Prozent und nicht wie in der KSK nur 50 Prozent.

Die Deutsche Rentenversicherung Bund schreibt dazu:

„Ein entscheidender Unterschied der arbeitnehmerähnlichen Beschäftigung gegenüber einer Scheinselbstständigkeit besteht darin, dass der Selbstständige rechtlich und formal auch tatsächlich als Selbstständiger gilt. Im Gegensatz zu einer „echten“ selbstständigen Tätigkeit unterliegt er der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung. In den übrigen Bereichen besteht keine Versicherungspflicht aufgrund der Beschäftigungsform. Die Beitragspflicht trägt alleine der Betroffene Selbstständige. Der Auftraggeber hat bei arbeitnehmerähnlicher Beschäftigung keine Beitragspflichten.

Existenzgründer haben die Möglichkeit, sich für die ersten drei Jahre ihrer Selbstständigkeit von der Rentenversicherungspflicht auch bei arbeitnehmerähnlicher Tätigkeit befreien zu lassen.“

Soweit so offiziell. Für Honorarempfänger, die als Pauschalisten zum Beispiel in Redaktionen tätig sind, gibt es deshalb keine wirklich Alternative zur Künstlersozialkasse.

Und wie kommt die Scheinselbstständigkeit raus? Ganz schnell und ohne unser Zutun. Alle Unternehmen in Deutschland werden regelmäßig von der Sozialversicherung geprüft. Und vor allem alle Gelder, die ohne „die Schraube“ als Gegenwert oder ohne sozialversichertes Gehalt das Unternehmen verlassen. Diese Honorare unterliegen regelmäßig der Prüfung. Ebenso die Verträge, die den Zahlungen zugrunde liegen und die Beiträge in der Sozialversicherung, die von den Honorarempfängern abgeführt werden. Und manchmal kommen noch unsere wenig geschickt formulierten Rechnungstexte hinzu, von denen wir niemals ahnten, dass nicht nur unsere Auftraggeber, sondern auch der Kunde als Rechnungsleser bedacht werden muss.

Hinzu kommt: Niemals können wir als Person „scheinselbstständig“ sein, sondern nur unsere Tätigkeit. Und dies ist keine Wortklauberei! Auch der zweite oder dritte Auftraggeber ändert unter Umständen nichts daran, dass die erste und wichtigste unserer Tätigkeit in der Scheinselbstständigkeit ausgeübt wird!

Zur Vertiefung:

https://www.haufe.de/personal/personal-office-premium/arbeitnehmeraehnliche-selbststaendige_idesk_PI10413_HI520088.html