Dozenten: Status – Steuern (MWSt.) – Sozialversicherung – KSK

Der Dozent, das unbekannte Wesen

Sein Status

Dozenten gehören seit jeher zu den klassischen Freiberuflern. Vom Gastdozenten an der Universität bis zum Kursleiter in der örtlichen Volkshochschule: Sie alle wählen gerne den freiberuflichen Status für ihre „selbstständig ausgeübte unterrichtende (auch wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische oder erzieherische) Tätigkeit“, wie sie hauptsächlich im § 18 des Einkommensteuergesetzes für mehr als zwei Dutzend Berufe beschrieben wird.

Warum kann es erstrebenswert sein, als Freiberufler eingestuft zu werden?

  • Freiberufler zahlen keine Gewerbesteuer
  • sie sind als Dozenten in einem nicht-verkammerten Beruf und nicht Zwangsmitglied in der Industrie- und Handelskammersie
  • müssen keine Bilanz für das Finanzamt erstellen, sondern weisen ihre Umsätze und Gewinne mithilfe einer eher schlichten Einnahmen-Überschussrechnung nach
  • unter bestimmten Umständen können sie sich in der Künstlersozialkasse in der Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung absichern. Und dies zu besonders günstigen Rahmenbedingungen.

Freiberuflich tätige Dozenten werden von den Steuergesetzen sehr „pfleglich“ behandelt. Alles, was sie als Honorar oder Kostenersatz einnehmen, wird entsprechend dokumentiert. Alles, was an beruflichen Ausgaben („alles, was unternehmerisch veranlasst ist“) anfällt, wird ebenfalls dokumentiert und die Differenz fließt als Einnahme aus selbstständiger Tätigkeit in die Einkommensteuererklärung ein.

Dieser Vorgang ist durchaus ohne steuerberatende Begleitung möglich und mit preiswerter oder gar kostenloser Software einfach abzuwickeln. Informationen dazu finden sich bei www.fragKiesel.de.

Die Mehrwertsteuer

Dozententätigkeiten unterliegend grundlegend der Besteuerung durch die Mehrwertsteuer.

Ausnahmen davon unterliegen sehr strengen Regeln, die im § 4 des Umsatzsteuergesetzes festgeschrieben sind.

Weitere Infos:  https://dejure.org/gesetze/UStG/4.html

In den 28 Abschnitten dieses Paragrafen mit gefühlt hunderten von Ausnahmen sind für die Dozententätigkeit vor allem zwei Absätze wichtig – die Absätze 21 und 22. Sie regeln die Umsatzsteuerpflicht für Unterrichtszwecke („Schulen und Ersatzschulen“) anerkannter Bildungseinrichtungen. Achtung: Zum Wegfall der MWSt.-Pflicht solcher Unterrichte ist es nötig, dass die zuständige Landesbehörde für den unmittelbar auf eine staatlich anerkannte Prüfung vorbereitenden Ausbildungsgang eine Bescheinigung erstellt, die dem Dozenten für seine Unterlagen in Kopie zur Verfügung gestellt wird. Bei Steuerprüfungen ist diese Unterlage extrem wichtig.

Alle anderen Dozententätigkeiten unterliegen der vollen Mehrwertsteuerpflicht – also derzeit 19 Prozent. Dies gilt auch für Berufe wie den Journalisten, die bei ihrer übrigen (selbstständigen) Arbeit nur 7 Prozent MWSt. berechnen. Diese Ausnahme (wegen der Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Rechten, die sich aus dem Urheberrechtsgesetz ergeben)

Weitere Infos: https://dejure.org/gesetze/UStG/12.html

gilt nicht für Dozententätigkeiten in diesen Berufen.

Dummerweise finden sich in etlichen Dozentenverträgen (zum Beispiel bei Volkshochschulen) der Begriff „Bruttohonorarvereinbarung“. Dies bedeutet, dass in den Fällen, in denen ein Dozent MWSt.-pflichtig ist, er 19 Prozent vom überwiesenen Honorar ans Finanzamt abzuführen hat. Als sogenannter Kleinunternehmer bleibt er davon befreit. Die Situation entspricht der, der journalistischen Tätigkeit für die allermeisten öffentlich-rechtlichen Anstalten.

Die Sozialversicherung

Der Wunsch, sich seine Sozialversicherungsbeiträge mit der Künstlersozialkasse zu teilen, ist verständlicherweise sehr groß und zahlreich. Dazu ist der § 2 des Künstlersozialversicherungsgesetzes bestechend übersichtlich: „Künstler im Sinne dieses Gesetzes ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt. Publizist im Sinne dieses Gesetzes ist, wer als Schriftsteller, Journalist oder in ähnlicher Weise publizistisch tätig ist oder Publizistik lehrt.“ Diese Tätigkeiten müssen, so heißt es an anderer Stelle, „selbstständig und erwerbsmäßig“ ausgeübt werden.

Dies bedeutet: Dozenten gehören dazu und sind in der Künstlersozialkasse (KSK) zu versichern. Aber eben nicht alle! Nur, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst (auch Design) oder Publizistik lehrt. Und dies muss im Einzelfall nachgewiesen werden. Dabei spielt in der Regel keine Rolle, ob es sich dabei um die einzige-/Haupt- oder Nebentätigkeit handelt. Das Sozialversicherungsrecht kennt im Gegensatz zum Steuerrecht keine „Nebentätigkeiten“, sondern nur „Tätigkeiten“ und die sind an bestimmte Einkommens- und zeitliche Grenzen gekoppelt.

Nur in der KSK besteht für Dozenten die Chance, 50 Prozent ihrer Beiträge für die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung als Zuschuss zu erhalten. Außerdem ganz wichtig: Berechnungsgrundlage sind nicht die Beitragstabellen der Krankenversicherungen für freiwillig Versicherte, sondern vielmehr die persönliche Schätzung des Versicherten. Das kann zusammengenommen schon mal eine Differenz von einigen Tausend Euro pro Jahr ausmachen.

Die Auftraggeber der Dozenten spielen also bei der Beurteilung, ob eine Sozialversicherung über die KSK möglich ist, erst einmal keine Rolle. Das können Universitäten, andere Hochschulen, Akademien oder ähnliche Einrichtungen zur Aus- und Weiterbildung für die angegebenen Berufszweige sein. Folgerichtig wird in den sozialversicherungsrechtlichen Regelungen denn auch weniger von Dozenten, sondern meisten von „Lehrern“ geredet. Und die sind auch als Selbstständige rentenversicherungspflichtig. Die Frage ist eben nur, ob sie als KSK-Versicherte nur 50 Prozent oder direkt bei der Deutschen Rentenversicherung Bund 100 Prozent ihrer Beiträge zahlen müssen.

Die Versicherungspflicht entsteht in der Regel ab einem Honorareinkommen ab 450 Euro monatlich. Im Künstlersozialversicherungsrecht bereits ab einem Arbeitseinkommen ab 325 Euro.

In der berufliche Aus- und Weiterbildung sind Dozententätigkeiten als nebenberufliches Engagement sehr häufig. Dies hat auch Auswirkungen auf die Sozialversicherungsbeiträge.

Wenn die Dozententätigkeit beispielsweise „geringfügig“ ausgeübt wird – d. h., wenn das Honorar pro Monat ohne Berücksichtigung des Steuerfreibetrages/der Übungsleiterpauschale nicht mehr als 450 Euro beträgt. Die steuerfreie Übungsleiterpauschale beträgt 2.400 Euro jährlich. Bei einer Umlegung dieser Pauschale auf die Monate des Jahres ergibt sich eine Rentenversicherungspflicht erst ab einem Dozenten-Einkommen von mehr als 650 Euro im Monat. Zu beachten ist allerdings, dass die steuerfreie Übungsleiterpauschale von Dozenten nur in Anspruch genommen werden kann, wenn diese Tätigkeit neben einem Hauptberuf ausgeübt wird.

Weitere Informationen dazu

In der Kranken-/Pflegeversicherung

besteht auch für Selbstständige seit 2009 Versicherungspflicht. Diese kann bei einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung wahrgenommen werden. Auf Antrag können sich Teilzeitbeschäftigte mit einer wöchentlichen Arbeitszeit, die der Hälfte oder weniger als der Hälfte der regelmäßigen Wochenarbeitszeit vergleichbarer Vollbeschäftigter entspricht, von der Versicherungspflicht befreien lassen. Wenn die Dozententätigkeit neben einem Hauptberuf erfolgt gilt die Krankenversicherung des Hauptberufes. Sind Dozenten beispielsweise als Schüler, Studenten oder Hausfrauen in einer Krankenversicherung als Familienangehörige mitversichert, gilt es zu beachten, dass die monatlichen Einkünfte den Betrag von 415 Euro nicht übersteigen dürfen, da ansonsten der Versicherungsschutz in der Familienversicherung nicht mehr gegeben ist. Der steuerliche Übungsleiterfreibetrag in Höhe von 2.400 Euro jährlich darf allerdings auch hier in Abzug gebracht werden.

Für Künstler oder Publizisten, die bereits in der KSK versichert sind, wird die Dozententätigkeit ihrer übrigen Berufstätigkeit gleichgestellt. Das heißt, dass die erstmalige Übernahme von Dozentenaufträgen keine weiteren Anträge oder Meldungen an die KSK erfordert.

© Wolfgang Kiesel

Stand: April 2018