Frei und immatrikuliert

Ein (leider) nur sehr kleiner Unterschied zum Profi
Die sozialversicherungsrechtliche und steuerrechtliche Einordnung journalistischer Tätigkeit bei Vorliegen einer Immatrikulation oder dann, wenn die journalistische Arbeit als Nebentätigkeit ausgeübt wird, führt stets zu vielen Fragen und Missverständnissen. Deshalb hier die wichtigsten Informationen:

Studentische Nebentätigkeit und Künstlersozialkasse (KSK)
Vorweg: Die Grenze für die studentische Nebentätigkeit liegt bei 19 Wochenarbeitsstunden. Wer länger arbeitet verliert seinen studentische Status im Vollstudium!
Regel 1: Wer länger als 20 Wochenstunden neben dem Studium journalistisch tätig ist, wird wie ein hauptberuflicher Freier eingestuft. Die KSK versichert ihn oder sie in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Ebenso den, der neben dem Studium „anhaltend erwerbstätig“ ist und mit einer gewissen Regelmäßigkeit Einnahmen erzielt. Eine regelmäßige Kolumne ist beispielsweise ein Indiz für diese Einschätzung als „Profi“. Die KSK-Einkommensuntergrenze liegt bei einem Arbeitseinkommen von 325 Euro monatlich, das sind etwa 450 Euro Honorar ohne Mehrwertsteuer.
Regel 2: Wer nur gelegentlich journalistisch tätig ist und weniger als 20 Wochenstunden arbeitet, wird nicht über die KSK versichert.
Regel 3: Wer regelmäßig journalistisch tätig ist und mehr als 325 Euro Arbeitseinkommen erzielt jedoch stets weniger als 20 Wochenstunden journalistisch arbeitet, ist KSK-pflichtig. Der kann jedoch in der preiswerten studentischen Krankenversicherung verbleiben und hat auf der Basis seines geschätzten Arbeitseinkommens nur 50 Prozent der Rentenversicherungsbeiträge an die KSK abzuführen.
Regel 4: Die monatliche Höchstgrenze zur Familienkrankenversicherung liegt bei 405 Euro Einkommen. Die 20-Stunden-Regelung (siehe KSK) gilt entsprechend. Bei einer geringfügigen Beschäftigung (450-Euro-Job) liegt die Grenze bei 450 Euro monatlich.
In der Sozialversicherung gibt es den Begriff „Nebentätigkeit“ nicht wirklich. Die KSK orientiert sich allein an den für sie geltenden Einkommensgrenzen (325 Euro monatliches Arbeitseinkommen) beziehungsweise bei der Beurteilung von nicht-journalistischen Tätigkeiten an der Grenze der „geringfügigen Beschäftigung“ von 450 Euro monatlich / 5.400 Euro jährlich).
Andere finanzielle Grenzziehungen, zum Beispiel die für die studentische Nebentätigkeit, existieren in der Sozialversicherung nicht.
Hier findet sich der Weg zur Beratung.

Das Steuerrecht
Auch hier der Hinweis vorweg: Die Grenze für die studentische Nebentätigkeit liegt bei 19 Wochenarbeitsstunden. Wer länger arbeitet, verliert seinen studentischen Status und damit auch alle steuerlichen und anderen Vorteile (z.B. Semesterticket), die sich aus der Immatrikulation ergeben.
Kurzfristige Vollzeitbeschäftigungen sind nur dann erlaubt, wenn sie 70 Arbeitstage pro Jahr nicht überschreiten. Eine solche Tätigkeit ist von der Sozialversicherung und der Einkommenssteuerpflicht komplett befreit. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 31. Dezember 2018. Wer einen Masterstudiengang absolviert oder bereits vor dem Studium eine Ausbildung gemacht hat, darf höchsten 20 Stunden pro Woche ohne Abzüge beim Kindergeldanspruch arbeiten.
Eine Einkommensteuererklärung ist erst dann nötig, wenn beim Gewinn der Grundfreibetrag überschritten wurde.
Die Formel: Honorareinnahmen minus 1.000 Euro Werbungskostenpauschale (oder höhere berufliche Ausgaben) gleich „zu versteuerndes Einkommen“. Wenn dieser Betrag höher ist als der Grundfreibetrag ist die Steuererklärung fällig.

Einige jährliche „Grenz“-beträge:
8.472 Euro: Der Grundfreibetrag. Darüber müssen Steuern gezahlt werden. 1.000 Euro Werbungskostenpauschale dürfen hinzugerechnet werden oder einzeln nachzuweisende berufliche oder studentische Ausgaben.
4.880 Euro: Bei gewerblichen Gewinnen verlieren Immatrikulierte hier den Anspruch auf BAföG
17.500 Euro: Die Umsatzgrenze für die Pflicht, MWSt. zu berechnen. Ist das erste „Geschäftsjahr“ kürzer als 12 Monate gelten die entsprechenden Zwölftel von 17.500 Euro.
Darunter darf man sich auch für die Mehrwertsteuerberechnung entscheiden. Wer das nicht will, bleibt Kleinunternehmer.
Wer eine Einkommensteuererklärung abzugeben hat, muss seine journalistischen Einnahmen und Ausgaben in eine Einnahmen-Überschussrechnung eintragen. Die Erklärung heißt: „Anlage EÜR“. Falls Mehrwertsteuer berechnet wird, ist auch eine Umsatzsteuererklärung nötig. Alle Erklärungen müssen am selben Tag online ans Finanzamt übertragen werden. Dazu ist zuvor eine Registrierung nötig.

Mein Tipp: Für die Einkommensteuererklärung eine entsprechende Software (z.B. Steuertipps.de und für die beiden anderen Erklärungen die Freeware EasyCash&Tax, die ich sehr empfehlen kann.