Steuererklärungen für unter 5 Euro?

Es naht die Steuererklärung – welche Hilfe benötigen wir wirklich?

Wer Formulare auf Papier oder am Monitor ausfüllen muss, tut mir ehrlich gesagt leid. Ich weiß nicht, ob ich das in jedem Fall könnte. Zum Beispiel über ELSTER-Formular mit der elektronischen Steuererklärung. Natürlich könnte ich herausfinden, wie viele Mehrwertsteuer ich in berufliche Ausgaben investiert habe. Doch handelt es sich dabei wirklich um die „gezahlten Vorsteuerbeträge“ in der Zeile 49 meines Jahresabschlusses? Da ist es mir doch lieber, wenn so ein kleines Steuerprogramm, das es sogar kostenlos gibt, diese Lösung für mich herausfindet und übernimmt. Oder?

Zugegeben: Die allermeisten Kreativen sind Fiskallegastheniker und besitzen eine Formular-Phobie. Was liegt da näher, den Schuhkarton mit den Belegen einfach Jemandem auf den Schreibtisch zu kippen und nahezu gerne etliche Hunderter dafür auszugeben. Geht es auch anders und deutlich preiswerter? Zum Beispiel für 4,90 beim Discounter? Für alle, die möglichst simpel, schnell und schlicht ihre Einnahmen und Ausgaben erfassen und mit wenigen Mausklicks über ihren Jahresabschluss verfügen wollen, gibt es diese und andere steuerehrliche Lösungen. Hier werden sie vorgestellt und erläutert.

Zuvor einige Bemerkungen:

  • Müssen wir eigentlich? Nein. Wir sind nicht „buchführungspflichtig“. Aber wir müssen unsere beruflichen Einnahmen und Ausgaben nachvollziehbar dokumentieren und die Belege 10 Jahre aufbewahren. Ich empfehle einen 80 mm-Ordner für jedes Kalenderjahr mit sämtlichen Belegen, Rechnungen, Abrechnungen, Kontoauszügen.
  • Natürlich könnten wir für die Honorare und beruflichen Ausgaben Tabellen in Word oder Excel anlegen. Doch das dauert und ist kompliziert. Deshalb ist ein kleines Steuer-Tool stets die deutlich bessere und einfachere Lösung. Diese Tools liefern uns nämlich auch gleich die ausgefüllten Formulare!
  • Wir müssen unsere Steuerklärungen online ans Finanzamt übertragen. Dabei helfen uns eine ELSTER-Signatur sowie ein oder zwei Programme zur Erfassung unserer Erklärungen.

Spätestens die Abrechnung der Mehrwertsteuern zwingen die Freiberufler in den Medienberufen dazu, sich einen Überblick über die Einnahmen und Ausgaben zu bilden. Und für Existenzgründer gilt: Für mindestens 24 Monate haben Sie die Mehrwertsteuer monatlich gegenüber dem Finanzamt abzurechnen.

Hier die Antworten auf fragKiesel.de:

  1. Wer noch kein ELSTER-Benutzerkonto hat, kann dies hier Die Anleitung ist simpel und wenn alles abgeschlossen ist, findet sich auf unserem Rechner (möglichst dort, wo wir auch unsere Steuerunterlagen ablegen und wo die Datensicherung regelmäßig hinkommt) eine kleine *pfx-Datei, auf die jedes Steuerprogramm später zugreifen kann.
  2. Wir wollen unsere beruflichen Einnahmen und Ausgaben möglichst schnell und einfach erfassen und Steuerformulare erstellen. Ich empfehle dazu die Freeware EasyCash&Tax. Dort laden wir das Hauptprogramm runter sowie das ELSTER-Export-Plugin über den Plugin-Manager.
  3. Das Programm ist geöffnet. Oben links auf den Münzstapel klicken, dann auf NEU, danach OK und dann oben links auf den schwach zu erkennenden Schraubenschlüssen („Programmeinstellungen“) klicken. Danach die „pers. Daten“ sowie das „Finanzamt“ ausfüllen, dann auf OK.
  4. Unsere Probebuchungen:
    – Oben links beim grünen Kreuz die Buchungsmaske öffnen. Dann Datum, Betrag, Buchungstext („Honorar Zeitung A“) eingeben. Eine Belegnummer benötigen wir nicht, aber wir müssen die Buchung eingruppieren. Zum Beispiel als „umsatzsteuerpflichtige Betriebseinnahme“. Der MWSt.-Satz ist meistens bei den Kreativen 7 Prozent. Ein Klick auf den grünen Pfeil und schon ist die Einnahmen-Buchung erfasst.
    – Buchungsmaske öffnen, Ausgaben buchen, Datum eintragen (stets das Datum von der Quittung oder aus dem Kontoauszug), Betrag und das Buchungskonto (z.B. „übrige Betriebsausgaben“), den MWSt.-Satz und bei Nettobeträgen bis 800 Euro die Abschreibung über 1 Jahr. Ein Klick auf den grünen Pfeil und die Ausgaben-Buchung ist erfasst.
  5. Die Umsatzsteuer-Voranmeldung – das Formular fürs Finanzamt:
    Das Menü unter „Formular“ öffnen und den entsprechenden Monat bei den „Umsatzsteuer-Voranmeldungen“ auswählen. Und schon öffnet sich das Formular, das wir ausdrucken und ablegen können. Gleich neben „Formular“ ist Plugin. Dort haben wir „Elster-Export“ installiert. Wir wählen wieder den Monat aus. Rechts von der Zeile 83 steht der Betrag, den wir spätestens am 10. des Folgemonats ans Finanzamt zu überweisen haben. Darunter können wir noch unsere E-Mail-Anschrift sowie unsere Telefonnummer eintragen und klicken danach auf senden. Nach dem Senden überweisen wir noch den Betrag oder – wenn ein Minuszeichen vor dem Betrag in der Zeile 83 steht – freuen uns auf die Überweisung des Finanzamtes.
  6. So einfach geht die Mehrwertsteuerabrechnung. Und wenn wir schon mal auf unseren Jahresabschluss schauen wollen, klicken wir unter „Formular“ auf die Einnahmen-Überschussrechnung (E/Ü-Rechnung“) und schon sehen wir die „Anlage EÜR“, die zeitgleich mit unserer Einkommenssteuererklärung ans Finanzamt gesendet wird.

Unsere Einkommensteuererklärung

Wie teuer darf es denn sein? Klar ist: Wir wollen keine Formulare, sondern auf Fragen eines Programms antworten. Das ist ganz leicht!

Meine größte Überraschung habe ich unlängst bei ALDI und Lidl gemacht: Der SteuerSparer für 4,95 Euro! Die Software vom ZDF-Wiso-Hersteller Buhl-Data funktioniert bestens, sowohl bei der Einkommensteuererklärung, der ELSTER-Übertragung ans Finanzamt und sogar bei der Gewinnermittlung für unsere beruflichen Ein- und Ausgaben bis zur Anlage EÜR!

Ich nutze seit vielen Jahren für etwa 25 Euro im Jahr die SteuerSparErklärung  der Akademischen Arbeitsgemeinschaft (ich weiß nicht, warum die sich so nennt …). Auch sie ist „obersimpel“!

Wir wollen die „vereinfachte, vorausgefüllte, Summen-gerundete und online zu übertragende“ Einkommensteuererklärung.  Die will von uns unsere persönlichen Daten, eine etwaige Behinderung, die Zahl unserer Kinder, die Nebenkosten unseres Haushalts (Handwerker, Dienstleistungen) und unseren Gewinn aus der freiberuflichen Tätigkeit erfahren. Nur diese eine einzige Zahl übertragen wir von der Anlage EÜR, die wir zuvor erstellt haben.

Zu den Sonderausgaben gehören unsere Sozialversicherungsbeiträge, Kirchensteuern, Spenden und ähnliche Lasten. Und wenn alle unsere relevanten Ausgaben erfasst sind, wählen wir die Prüfung und Abgabe unserer Steuererklärung. Ist alles okay, übertragen wir diese Erklärung und am selben Tag die Umsatzsteuererklärung sowie die Anlage EÜR ans Finanzamt.

Nach der Bearbeitung durch die Behörde, erhalten wir eine E-Mail mit einem Link auf unseren Steuerbescheid. Wir öffnen die SteuerSparErklärung, holen den Bescheid beim Finanzamt online ab und bekommen etwaige Änderungen gegenüber unserer Erklärung erläutert.

Wenn alles erledigt ist, speichern wir alle steuer- und buchführungsrelevanten Dateien auf eine nicht weiter beschreibbare CD-ROM – gemeinsam mit aller dazu passenden Korrespondenz, den REechnungen und Abrechnungen und allen ein- und ausgegangenen pdf-Rechnungen  – und schon erfüllen wir sogar die Finanzamtsanforderungen an eine revisionssichere Ablage. Und gegen den nächsten Festplattencrash sind die Daten außerdem noch gesichert.

Schlichter geht es kaum noch.