Rechnungen und Steuern – und jetzt auch noch mit der Kurzzeit-Mehrwertsteuer

Und außerdem: Hier ist der Link zu meinem aktuellen Seminar in München

Eine Steuer wurde gesenkt! Allein dies ist schon eine Nachricht wert! Steuern senken oder gar streichen ist nämlich nicht das Ding von Politikern. Dafür gibt es prominente Beispiele. Doch dazu mehr gegen Ende dieses Manuskriptes.

Aktuell geht es um die Mehrwertsteuer. Deren beiden Sätze wurden von 19 auf 16 Prozent sowie von 7 auf 5 Prozent gesenkt, und zwar dies befristet vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020. Die amtierende Kanzlerin hat keinen Zweifel daran gelassen, dass es bei dieser Befristung bleiben wird. „Mehr könnten wir uns auch gar nicht leisten!“ – begründete sie in der ARD.

Aber wie gehen wir denn nun mit unseren Rechnungen und der Mehrwertsteuer um? Das ist nicht so ganz einfach – vielleicht, weil es auch nicht so ganz logisch ist.  Für die allermeisten Buchführungssoftwares gab es rechtzeitig ein kleines Update und damit waren die inneren Verknüpfungen im Programm erledigt. Es kann nun einfach gebucht werden, wie immer und meistens müssen wir aktuell auch unsere Rechnungsgewohnheiten nicht verändern. Unsere Kreativleistungen werden jetzt mit 5 Prozent Mehrwertsteuer belegt, alles andere mit 16 Prozent und gut ist!

Schwieriger könnte es werden, wenn unsere Aufträge um den 1. Juli oder um den 31. Dezember herum stattfinden. Journalisten und Bildjournalisten beispielsweise hadern stets mit sich, wann sie denn nun dem Auftraggeber „zumuten dürfen, eine Rechnung von ihnen zu bekommen …“. Eigentlich ist das kein Problem. Und auch die Finanzbehörden setzen in diesem Jahr bei den Kreativen dieselben Grundsätze an. „Wann wurde die Leistung erbracht“, gilt in vielen Branchen als Maßstab. Bei uns ist wichtig: Wann wurde unsere Leistung vom Auftraggeber „angenommen“. Wenn wir vom Auftraggeber gar nichts hören, dann „gilt die Leistung nach fünf Werktagen als angenommen“. Dann schreiben wir die Rechnung und darin steht dann auch der Mehrwertsteuersatz, der zu diesem Zeitpunkt gültig ist. Der „Zeitpunkt der Leistungserbringung“ ist der wichtigste Maßstab im Steuerrecht. Nur den zu definieren ist nicht immer so ganz einfach. Wenn ich einen Vortrag halte, ein Seminar gebe oder eine Sendung moderiere, ist das klar. Aber wenn ich eine Woche mit Recherche verbringe und anschließend auch noch schreiben muss – und dann das Manuskript erst Wochen später erscheinen wird – dann verwirrt das manchen Kreativen. Zu Unrecht! Viel leichter wäre es, wenn wir Schrauben produzieren würden. Kaum auf den LKW verladen für den Transport zum Kunden – und schon wären Rechnung und Mehrwertsteuer für die Schrauben klar.

Für die Kreativen ist das Datum der Leistungserbringung das alles Entscheidende. Und wenn die Leistungserbringung nicht eindeutig (wie z. B. Vortrag, Seminar, Sendung) ist, dann spätestens fünf Tage nach Ablieferung. Und wenn es Kritik an der Arbeit geben sollte, ist eine Nachbesserungsfrist einzuräumen.

Übrigens – Wie ist es denn bei den Freien, die gar keine Mehrwertsteuer berechnen, den sogenannten Kleinunternehmern? Die können diesen Status 2020 bis 22.500 Euro Jahresumsatz erhalten. Und wenn es das erste Mal ist, dann sogar bis 50.000 Euro, bevor sie danach ebenfalls die Mehrwertsteuer abrechnen müssen.

Und wer ein „Inklusiv-Honorar“ erhält, wie beispielsweise bei den öffentlich-rechtlichen? Der kann sich über einige Prozentpünktchen Honorarerhöhung freuen. So eindeutig ist Steuerrecht!

Und wie war das mit der Steuer-Beharrung in der Politik? Das für mich beste Beispiel liefert die Schaumweinsteuer – heute mit immerhin einem Euro und 2 Cent an jeder verkauften Sektflasche beteiligt. Beschlossen wurde sie am 26. April 1902 nach den Reichstagsbeschlüssen zur Finanzierung der kaiserlichen Flotte, weil „bei einer so starken Steigerung der Ausgaben für die Wehrkraft des Landes auch der Schaumwein herangezogen werden muss“. Wie wir wissen, gibt es die kaiserliche Flotte schon länger nicht mehr, die Schaumweinsteuer schon …