Brexit: Das Aus für die deutsche Limited

  • Manche gaben sich mit der Ltd. einen internationalen Anstrich
  • Viele fanden sie schlicht chic
  • Die Allermeisten suchten eine preiswerte Rechtsform
  • Für alle ist es damit bald vorbei!

Über das Brexit-Chaos wird viel spekuliert. Jüngst formulierte ein Kollege: „Wer jetzt Prognosen aufstellt, belegt damit, dass er nichts weiß …“. Ganz anders ist es mit den Auswirkungen des Brexit in Deutschland. Da gibt es so viele, dass der Bundestag und die Landtage extra Übergangsgesetze erlassen und in Kraft treten lassen müssen.

Eines der vielen Beispiele, an die nicht unmittelbar gedacht wird, ist die Limited. Eine Rechtsform mit Haftungsbeschränkung aber deutlich „preiswerter“ als eine GmbH. Sie benötigt nur ein britisches Pfund Kapital und ist (war) schnell und preiswert zu registrieren.

Seit 2003 haben mehr als 30.000 vor allem kleine Unternehmen sich für diese Rechtsform entschieden. Die Gesellschaften wurden in Großbritannien eingetragen und verlegten unmittelbar ihren Verwaltungssitz nach Deutschland. So gut, so legal. Auch als die Palette der Rechtsformen in der Bundesrepublik 2008 um die Unternehmergesellschaft, die UG, erweitert wurde, stoppte der Strom der Ltd-Gründungen nicht. Die UG – auch als 1-Euro-GmbH beschrieben – ist quasi die Offenbarung qua Briefkopf: „Ich hatte bei der Gründung nicht genügend Geld für eine GmbH!“ – Wer wollte dies schon. Da schmückt die „Heini Meyer Limited“ den Briefkopf und macht die Visitenkarte doch erheblich attraktiver.

Aktuell sollen es wohl noch mehr als 10.000 Limiteds sein, die nun von den Auswirkungen des Brexit betroffen sind. Sollte es bis dahin nicht noch zu irgendwelchen Übergangsregelungen kommen (was nicht zu erwarten ist), besteht nicht allein die Gefahr, dass die Gesellschafter plötzlich haften müssen. Zudem müssen Limiteds mit deutschem Verwaltungssitz damit rechnen, ihre Rechtsform nach dem Brexit aberkannt zu bekommen. Nicht alle Varianten der britischen Limited sind jedoch davon betroffen. „Bei einem harten Brexit gilt wieder die Sitz-Theorie – also die Annahme, dass eine Firma eine gültige Rechtsform in dem Land haben muss, in dem ihr Verwaltungssitz ist. Bisher profitierten Unternehmer von der Niederlassungsfreiheit der europäischen Wirtschaftszone. Somit waren auch „deutsche Limiteds“ möglich, da die Niederlassungsfreiheit rechtlich über der Sitz-Theorie verankert ist“, formulieren dies etwas kompliziert die Handelskammern.

Wenn es beim Brexit keine Übergangsregelung geben sollte, werden danach die britischen Rechtsformen wie die Limited in Deutschland nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU nicht mehr anerkannt. Damit existieren die juristischen Personen in diesen Unternehmen nicht mehr und die natürlichen Personen können damit haftbar gemacht werden.

Was ist jetzt zu tun?

Das einfachste, so viele Juristen, sei die Verschmelzung mit einer deutschen GmbH. Doch die kostet im Zweifel einige Tausend Euro, verlangt 25.000 Euro haftendes Kapital und dauert mehrere Monate. In manchen Fällen wird auch eine Verschmelzung mit der 1-Euro-GmbH möglich sein. Auch sie verlangt eine lange Vorbereitungszeit und ist nicht ganz preiswert. Der dritte Weg ist die Liquidation der Limited, was vor allem erhebliche Auswirkungen auf die Verträge des Unternehmens hat. Die dürfen mit der neuen Rechtsform nicht einfach weitergeführt werden. Dies geht nur mit schriftlicher Zustimmung des Vertragspartners. Smartphone, Online-Anschluss, Bankkonto, Versicherungen und vieles andere wären davon betroffen.

Auf jeden Fall muss der Geschäftsbetrieb in solchen Fällen unterbrochen und neu gestartet sein, bevor Risiken aus der Haftungsveränderung wirklich ausgeschlossen sind.