Gemeinsam mit Anderen

„Wir sind zu Dritt“ – ist das wichtig?

Zusammenarbeit im Team ist toll und wirklich zu empfehlen

Projekte und Büros niemals ohne Regeln und Verträge

Sie heißen Wortreich, Wortfluss, Wordfabrik, Wortwert, punkt um, Plan17, Sterneins, Zeitenspiegel, Machwerk, Kill Your Darlings, Tastenfischer, Bestwords und Schnittstelle. Oder sie sind Theatergruppen, Musikformationen, gemeinsame Nutzer eines tollen Lofts oder das Kontor für alles, was sich (akademisch) in der Stadt zu Honorar umwandeln lässt.
Die Motivation, ein solches Büro zu gründen, ist nicht selten die fehlende Alternative eines festen Arbeitslatzes. Hinzu kommt die Befürchtung, als Freier allein am häuslichen Arbeitsplatz zu versauern. Eine Ahnung, die nicht ohne Grundlage ist. Nahezu täglich finden sich Meldungen im Netz, in Newslettern oder Zeitschriften über „einen freien Platz in unserem Büro“. Inklusive Arbeitsplatz, Telefon, Netzzugang, Küchenbenutzung und Besprechungsraum liegen die monatlichen Nutzungsgebühren so zwischen 150 und 300 Euro. Die Mitarbeit hat schon manchen Nachwuchsfreien schnell in die Zufriedenheitszone gebracht.

Eine solche Kooperation mit anderen Freien ist vor allem bei Berufsanfängern eine Best-Lösung. Wer selbst gründen möchte oder schon ein komplettes Team zusammen hat, kommt ohne ein bisschen Juristerei nicht aus. Es stehen im Wesentlichen drei Rechtsformen für solche Gründungen von Freien zur Auswahl. Die ich gerne im Folgenden kurz vorstelle.

Es geht auch bei Kreativen nicht ohne …
einige juristische Regeln. Wenn sich beispielsweise mehrere Journalisten, Grafiker, Fotografen oder Webdesigner zusammentun, Gemeinschaftsrechnungen schreiben, über ein gemeinsames Konto verfügen, eine gemeinsame Website betreiben oder als Team neue Aufträge akquirieren (und abrechnen), ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR oder BGB-Gesellschaft) eine sehr oft gewählte Möglichkeit. Doch ist diese Rechtsform nicht ungefährlich. Die GbR ist nämlich die einzige Rechtsform, die nicht unbedingt eines Vertrages oder einer formellen Gründung bedarf. Sie bildet sich quasi automatisch, mit allen Konsequenzen – allein durch die „Willensbekundung“. Dazu gehört auch die sogenannte „gesamtschuldnerische Haftung“. Die sorgt dafür, dass beispielsweise alle Teammitglieder mit ihren Privatvermögen haften, und zwar für die kommenden 30 Jahre, falls z.B. ein Urheberrechtsstreit entbrannt ist, der lediglich einem Teammitglied zur Last gelegt wird. Die Lösung bringen Verträge, mit deren Hilfe geklärt wird, wer haftet, welche Aufgabe die Gemeinschaft hat und welcher juristische Rahmen gewünscht ist. Dazu später mehr.

Der Name unseres Zusammenschlusses
Natürlich soll so ein Büro sich bekannt machen. Was ist da besser, als ein gut klingender Name. Die gesicherte Wunsch-Domain jedoch reicht allein dafür nicht. Im Gegenteil. Wer beispielsweise eine GmbH mit gleichem Namen gründet, kann einen Anspruch auf diese Domain nachweisen! Und leider: Nur Unternehmen, die im Handelsregister eingetragen sind, dürfen einen Fantasienamen tragen. Bei allen anderen darf das gerne auf dem Briefkopf oder der Website stehen, hat juristisch aber keinerlei Bewandtnis. Dazu später mehr.

Der einfachste Weg, schnell und problemlos zu gründen, besteht oft darin, ein Pflichtenheft inklusive KSK und Urheberrecht gemeinsam mit einem Berater aufzustellen und abzuarbeiten. Danach ist eine kompetente Beratung mit Einordnung einfach und auch für juristische Laien nachvollziehbar. Hier findet sich der Weg zur Beratung.

Eine solche Beratung umfasst nicht allein die formellen Grundlagen der Arbeit einer solchen GbR, sondern ebenso die Wege zu neuen Produkten, anderen Auftraggebern, zusätzlichen Kooperationen und Marktrecherchen. Denn dies alles kann sehr dabei helfen, ein neues Kreativ-Team erfolgreich zu starten.

Die praktischen Wege:

Wenn Kreative – ich erlaube mir diese Formulierung für all die Journalisten, Kameraleute, Musiker, Grafiker, Texter, Autoren, Blogger, und die vielen anderen Freiberufler zu nutzen – sich zusammenschließen und für eine GbR entscheiden, dann ist die GbR keine gewerbliche Personengesellschaft, sondern eine freiberufliche. Keiner der Gesellschafter wird also einen Gewerbeschein ausfüllen müssen!!! Dies ist ein häufig gemachter Fehler, der später regelmäßig zu Missverständnissen mit der Finanzverwaltung in Sachen Gewerbesteuer und auch IHK-Mitgliedschaft führt.

Es ist allein eine Anmeldung beim Finanzamt nötig. Hier die beiden Links zum pdf-Formular beziehungsweise zu dem am Monitor auszufüllenden Formular. Diese Vorlagen sind bundesweit einheitlich.

Formular pdf: https://www.formulare-bfinv.de/ffw/resources/ticket/21ED821F809BC6AB59F9-48294/034251.pdf

Auszufüllen: https://www.formulare-bfinv.de/ffw/form/display.do?%24context=7DF9CFFC6ED3C6ACCEC2

 

Mindestens ebenso wichtig wie die Anmeldung beim Finanzamt ist ein Gesellschaftervertrag. Der kann ganz schlicht oder auch sehr aufwändig ausfallen. Mein Eindruck, dass für eine Freiberufler-GbR die allermeisten Vorlagen im Netz viel zu umfangreich sind, ist sicher nicht ganz falsch. Deshalb nutze ich für solche Fälle stets die Vorlagen der IHK Frankfurt/Main

https://www.frankfurt-main.ihk.de/recht/mustervertrag/gbr/

die leicht zu finden, sehr kompetent und sprachlich auch so sind, dass wir sie alle verstehen. Mein Rat: Eine solche Vertragsvorlage als Basis für den eigenen Vertrag nutzen, die Ergänzung um die Freiberufler-GbR nicht vergessen und alles entsprechend anpassen. Wer sichergehen will, lässt den Vertrag anschließend noch einmal gegenlesen. Sehr viele weitere Informationen vermittelt auch der GbR-Eintrag bei Wikipedia.

Dort, wo man bereits einen tollen Namen als Alleinstellungsmerkmal für die GbR gefunden hat und wirklich alles richtigmachen will, lässt man den GbR-Vertrag durch einen Notar ins Handelsregister eintragen, dann wird aus der GbR automatisch eine Offene Handelsgesellschaft (OHG). Dann ist aber auch die „Firma“ – also der von uns gewählte Phantasiename unseres Zusammenschlusses – offiziell und sicher. Und ebenso wie die GbR ist auch die OHG problemlos mit der Künstlersozialkasse (KSK) kompatibel.

Da ja die allermeisten Journalisten ihre Freiberuflichkeit neben der Arbeit im Team behalten wollen, sollten vor allem die gewählten Lösungen für die Rechtsform schlicht und so einfach wie möglich sein. Geradezu minimalistisch wäre beispielsweise eine GbR, die gar keine journalistischen Umsätze hat. “Vermittlungs-GbR“ wird diese Rechtsform genannt.

Ein Beispiel für den Start des GbR-Gesellschaftsvertrages:

„Zweck der Gesellschaft XYZ ist die Vermittlung journalistischer Aufträge von Dritten an unsere Gesellschafter sowie die Vermittlung journalistischer Projektideen der Gesellschafter an Dritte. Die Gesellschaft verfolgt außer dieser honorarfreien Vermittlung keine weiteren Ziele, tätigt keine eigenen freiberuflichen Geschäfte und wird somit nicht Vertragspartner bei journalistischen Aufträgen.“

Die gleiche Schlichtheit ist auch bei der Verteilung der Haftungsrisiken durchzuhalten. Das Beispiel:

„Ist ein Auftrag an einen Gesellschafter vermittelt, haftet für die Verbindlichkeiten aus dem Vertragsverhältnis zwischen Gesellschafter und Dritten ausschließlich der Auftragnehmer. Bei Gemeinschaftsaufträgen ist die Haftung auf die jeweils ausführenden Gesellschafter beschränkt.“

Und was ist, wenn einer geht?

Jede Gesellschaft mit kreativ tätigen Gesellschaftern muss stets so angelegt sein, dass Fluktuation quasi zum Konzept gehört. Also nicht so, dass einer oder eine das Büro gemeinsam mit dem Scanner, einer Software-Lizenz und dem Archivschrank verlässt, denn der wurde schließlich auch mitgebracht. Das kann man einfacher organisieren.

Wenn in einer GbR nur noch zwei Gesellschafter vorhanden sind und einer möchte gehen, ist die Gesellschaft automatisch aufgelöst!

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