Schon den Corona-Förderantrag gestellt?

Wirklich „schnell und unbürokratisch?“ – Die allermeisten Freien bekommen nichts oder müssen sogar zurückzahlen!

„Nicht abgedeckt sind z.B. Miete der Privatwohnung, Krankenversicherungsbeiträge oder Beiträge zur privaten Altersvorsorge; insoweit hilft vereinfachter Zugang zu ALG II.“ Soweit das Zitat aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Das Programm, aus dem ich hier zitiere, heißt: „Corona Soforthilfe für Kleinunternehmen und Soloselbständige.“

Da scheint sich einiges zu widersprechen und selbst Fachleute in den entsprechenden Landesministerien halten diese Programmbeschreibung für „fehlerhaft“, weil sie den Lebensrealitäten der allermeisten Soloselbstständigen nicht entspreche. Wer bereits Ende März oder im April Liquiditätshilfen erhalten habe, dem drohe sogar die Rückzahlung, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (24.4.) berichtet:

Tausende Soloselbstständige könnten die bereits gewährten Corona-Soforthilfen zurückzahlen müssen. Wie die “Märkische Allgemeine Zeitung” berichtet, geht das aus einem internen Rundbrief aus dem Bundeswirtschaftsministerium hervor.

Demnach konnten sich die Länder bei einer großzügigeren Auslegung des Soforthilfeprogramms für Soloselbstständige nicht gegen den Bund durchsetzen. Betreffende dürften nur Kosten geltend machen, die die wirtschaftliche Existenz sichern. Das Finanzpaket diene lediglich der Unterstützung bei Liquiditätsengpässen durch laufende Betriebskosten wie Mieten, Leasing oder Kredite für Betriebsräume, heißt es. Für Einnahmeverluste seien die Hilfen dagegen nicht gedacht. (Zitat Ende)

Wer als Freier im März oder April Mails oder auch nur Anrufe („Sie haben Verständnis dafür …, wie alle müssen auch wir …, wir stornieren sämtliche bereits erteilte Aufträge …“) von zum Teil sehr langjährigen Auftraggebern erhalten hat, war erst einmal baff. Der Status des festen Freien (nicht öff.-rechtlich) hilft nichts – bereits das April-Honorar lief bei etlichen gegen Null.

Wer den Schreibtisch in der Wohnung stehen hat und voll digitalisiert und vernetzt ist, der fällt erst einmal durchs Rost der Einschränkungen dieses Programms. Noch viel schlimmer trifft es beispielsweise Dozenten oder freie Journalisten, die „in den Betriebsräumen ihrer Auftraggeber tätig sind“ – so das Ministerium. Aber auch sämtliche freien Mitarbeiter in Agenturen oder ähnlichen Unternehmen sind in der Sprache des Bundeswirtschaftsministers „Solo-Selbstständige ohne Betriebskosten“.

Wir alle verfügen selbstverständlich über Betriebsausgaben. Stets so zwischen 20 und 35 Prozent unserer Honorareinnahmen. Doch diese Ausgaben passen offenbar nicht immer und überall. „Der Zuschuss leistet einen Beitrag zu den laufenden betrieblichen Sach- und Finanzaufwendungen“, findet das Bundesministerium und nennt auch gleich einige Beispiele: „gewerbliche Mieten, Pachten, Kredite für Betriebsräume und -ausstattung sowie Finanzierungskosten oder Leasingaufwendungen für unternehmerisch genutzte Pkw, Maschinen etc.). Personalkosten sind nicht abgedeckt.“ Da kommt das praktische Leben der allermeisten Freien nicht vor.

Es wird höchste Zeit, dass wir spätestens nach Corona uns alle dafür einsetzen. diese blöden Maßstäbe ins Nirwana zu verschieben, oder?